Expertenforschungsverbund bietet Hilfe bei Bipolaren Störungen

Zur Verbesserung in der Erkennung und Behandlung der Bipolaren Störung  forscht das Universitätsklinikum Frankfurt seit diesem Jahr im Rahmen der BMBF Studie „BipoLife“. Für die Studie werden junge Patienten mit bipolarer Störung zwischen 18 und 30 Jahren sowie Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko bis 35 Jahre gesucht. Später werden auch noch Patienten zwischen 18 und 65 Jahren mit einem besonders schweren Verlauf gesucht für ein Smartphone-Projekt.

Die bipolare Störung, auch manisch-depressive Erkrankung genannt, ist eine schwere psychische Erkrankung. Bei den Betroffenen äußert sich diese symptomatisch durch episodische entgegengesetzte Schwankungen des Antriebs, der Aktivität und der Stimmung, die sich zwischen den beiden Polen Manie und Depression abspielen. Bipolare Erkrankungen nehmen bei der Mehrzahl der  Betroffenen einen chronischen Verlauf, d.h. es kommt immer wieder zu depressiven bzw. manischen Krankheitsepisoden. Chronische, wiederholt phasenweise auftretende bipolare Störungen führen unter anderem zu ausgeprägter seelischer, sozialer, familiärer und beruflicher Beeinträchtigung. Die frühzeitige Erkennung und gezielte frühzeitige Intervention können den Krankheitsverlauf deutlich verbessern, wodurch die individuelle und gesellschaftliche Belastung durch diese Erkrankung reduziert wird.

Frühzeitiges Erkennen verbessert die Prognose

Psychische Krisen sind im Jugend- und jungen Erwachsenenalter zunächst nichts Ungewöhnliches. Bei manchen jungen Menschen kann sich aber auch aus ersten unspezifischen Symptomen im späteren Verlauf eine bipolare Störung entwickeln. Es gibt mittlerweile gute Hinweise für ein Vorläuferstadium der bipolaren Störung, welches dem Erkrankungsbeginn vorausgeht und mit mehreren möglichen Risikofaktoren in Verbindung gebracht wird, darunter zum Beispiel heftige Stimmungsschwankungen sowie spezifische Schlaf- und circadiane Rhythmusstörungen. Ein weiterer Risikofaktor ist eine familiäre Vorgeschichte von psychiatrischen Erkrankungen, da insbesondere bei der bipolaren Störung so genannte Risikogene eine Rolle spielen. Aber auch Patienten mit einer diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und Personen mit einer depressiven Störung haben ein erhöhtes Risiko an einer bipolaren Störung zu erkranken.

Die frühzeitige Erkennung und bedarfsgerechte Behandlung ist wichtig, um den weiteren Verlauf positiv beeinflussen zu können. Eine verzögerte Diagnosestellung und Behandlung kann sich negativ auf die weitere persönliche Entwicklung und berufliche Zukunft der Betroffenen auswirken. Wir bieten im Rahmen von BipoLife eine umfassende Diagnostik für hilfesuchende Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 35 Jahren an, um herauszufinden, ob das Risiko für die Entwicklung  einer bipolaren Störung besteht oder sogar bereits eine behandlungsbedürftige bipolare Störung vorliegt.

Zudem soll in einer Unterstudie, welche die Risikopersonen mit gesunden Kontrollen und bereits erkrankten Personen vergleicht, Stressreaktionen als potentielle Prädiktionsmarker untersucht werden. In dieser Unter-Studie (Resilienz bei der bipolaren Störung) sollen die neuroendokrine und neurobiologischen Mechanismen und deren Interaktionen bei der Vermittlung der Stressantwort auf eine akute Stresssituation bei verschiedenen Stadien der bipolaren Störung untersucht werden. Die Ergebnisse können dazu beitragen, Vulnerabilitäts- und Resilienzmechanismen für bipolare Störungen pilotierend darzustellen sowie Impulse für innovative Präventions- und Therapieansätze zu geben.

Therapie schützt vor Rückfällen

In der Mehrheit der Fälle beginnt die Bipolare Störung vor dem 18. Lebensjahr, verläuft lebenslang und bedarf immer der begleitenden,  stimmungsstabilisierenden Medikation. Trotz Dauermedikation kommt es zu Rückschlägen, so dass eine begleitende Psychotherapie für bipolare Störungen als angemessen und den Behandlungserfolg steigernd angenommen werden kann. Vor allem ist unklar, ob die Anwendung von Psychotherapie bei jüngeren Betroffenen mit bislang wenigen Krankheitsepisoden ganz besonders hilfreich und für die Verhinderung, die Abschwächung bzw. Verzögerung von neuen Krankheitsepisoden besonders angezeigt ist.

In dieser Studie geht es darum, bei jüngeren Patienten (≤ 30 J.), die an einer Bipolaren Störung leiden und dagegen dauerhaft und stabil mediziert sind, die Wirksamkeit einer spezifisch auf das Training von Fertigkeiten und Bewältigungsmöglichkeiten ausgerichteten Psychotherapie ( = SEKT) zur Rückfallprophylaxe mit einer emotionsfördernden, unterstützenden, auf Selbststeuerung und Selbsthilfe ausgerichteten und informierenden Psychotherapie (= FEST) zu vergleichen. Jungen Erwachsenen soll somit kostenfrei und ohne lange Wartezeiten frühzeitig ein besser Umgang mit der bipolaren Störung ermöglicht werden und damit erneuten depressiven oder manischen Episoden vorgebeugt werden. Beide Psychotherapieverfahren haben sich in Vorstudien bei der Behandlung von bipolaren Störungen bereits bewährt und als erfolgreich erwiesen.

Besseres Erkennen und Reagieren auf Frühwarnzeichen

Meistens kündigen sich erneute Krankheitsepisoden mit individuellen und auch allgemeinen Frühwarnsymptomen an. Wenn es möglich wäre für den Patienten und den jeweiligen Behandler, diese Frühwarnsymptome besser zu erfassen und zu erkennen, könnte womöglich in vielen Fällen eine beginnende Krankheitsepisode verhindert werden durch zeitnahe Anpassung der Therapie.

In dieser Substudie geht es darum, bei Patienten mit einer hohen Episodenlast in der Vorgeschichte Frühwarnsymptome mittels eines Smartphones zu erfassen, an den Behandler zu melden und zu überprüfen, ob durch dieses intensive Monitoring erneute Episoden leichter verhindert werden können.

Die Studien

Der Forschungsverbund von BipoLife besteht aus verschiedenen Teilstudien, die alle in der Uniklinik Frankfurt und darüber hinaus an insgesamt neun universitären Standorten durchgeführt werden (siehe auch www.bipolife.org). 

Die Teilnahme an den einzelnen Studien ist freiwillig und nicht unbedingt an die Teilnahme an andere Teilprojekte geknüpft. Jedoch kann die Kombination von verschiedenen Studien im Einzelfall sinnvoll sein. Die Ergebnisse der Tests werden ausschließlich in pseudonymisierter Form verarbeitet und in anonymisierter Form veröffentlicht.

Interessenten können sich jeden Dienstag zwischen 14-16h telefonisch unter

0157 / 7640 1769 oder jederzeit per E-Mail unter: BipoLife@kgu.de informieren und anmelden.

Für weitere Informationen:

Dr. med. Sarah Kittel-Schneider

Dipl.-Psych. Silvia Biere

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Universitätsklinikum Frankfurt am Main

E-Mail BipoLife@kgu.de

Studientelefon für weitere Informationen: Di. 14-16 Uhr, Tel: 0157-76401769

Internet www.bipolife.org

Weiterführende Links